Sonntag, 24. Juni 2012

Liebschützberger Höhenzug (2. Juni 2012)

Heut war ich mal wieder etwas ausserhalb unterwegs, im Flachland Nordsachsens. Und was macht eine Hexe im Flachland.  Richtig sie sucht sich einen Höhenzug aus. So war mein heutiges Ziel der Liebschützberger Höhenzug. Der Liebschützberg ist eine Erhebung von 197 m ü. NN. Über den Höhenzug verlief eine alte Handelsstrasse die "Alte Salzstraße". So siedelten sich am Wegesverlauf die Gemeinden an. Auch findet man heut hier an schön gestalteten Wegweisern die blaue Jacobsmuschel. Der Jacobsweg führt auch über diesen Höhenzug.


Auf dem Liebschützberg findet man eine wunderschöne denkmalgeschützte Bockwindmühle. 
Sie wurde 1828 erbaut und war voll funktionsfähig und auch in Betrieb bis etwa 1960. Nachdem 1975 der letzte Besitzer verstarb, wurde die Mühle dem Verfall preis gegeben und auch der Vandalismus machte vor ihr keinen Halt. 1987 begann durch die LPG "Ernst Thälmann" langsam der Wiederaufbau. Vor geraumer Zeit allerdings war die Mühle vom Einsturz gefährdet und es drohte der endgültige Abriss. Aber ein Mühlenverein und eine Bürgerinitiative kämpfte um den Erhalt und so wurde sie vor dem Abriss bewahrt und erhaltend gestützt und restauriert. Bleibt zu hoffen, dass diese wunderschöne Mühle erhalten werden kann!
Der Liebschützberg kann noch eine weiter Besonderheit sein Eigen nennen. Er ist zugelassenes Fluggelände für Gleitschirme, Hängegleiter und Ultraleichtflieger. 


Von hier aus ging es entlang am Feld- und Waldesrand mit immer wieder schönen Aussichten.



Zwischenrein ging es immer mal wieder in den Wald und es ist erstaunlich, was man immer wieder im Wald entdecken kann. Etwas abseits der Waldwege ging es hindurch durch recht hohes Brombeergestrüpp. Dieses war so hoch, dass ich kaum 'ne Chance hatte drüber zu schauen. Und irgendwann tat sich ein schwarzer Schlund auf und es ging ab unter die Erde. Hier befand sich ein unvermutet großer Bunker. Bewaffnet mit Lampen ging es nach einer kurzen Stippvisite wieder ans Tageslicht, um den für heute letzten "Höhepunkt" anzusteuern. In der Nähe des Dürrenberges auf einem Hügel setzte die Gemeinde Clanzschwitz ein Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten im ersten Weltkrieg. Dieser Hügel wurde nicht zufällig ausgewählt. Genau 150 Jahre vor Errichtung dieses Denkmals, am 20. August 1760 bewahrte die Qualität der preußischen Truppenstellungen am Dürrenberg den Ort Clanzschwitz vor den Zerstörungen des 7 jährigen Krieges. 



Dies ist ein Plätzchen, das zum Verweilen einlädt. Doch nun ging es noch zu einem gemütlichen Feuerchen und der Tag klang so wundervoll aus. 

Sonntag, 17. Juni 2012

Ein schneller Ausflug nach Böhmen (27. Mai 2012)

Nachdem ich nun seit gestern ganz stolz auf eine komplettierte Kombi bin und ich als "Bucklige" durch die Welt reisen kann, wollten wir den Tag nicht ungenutzt lassen und machten eine Reise ins Böhmische auf 2 geringfügig ;-) schnelleren Rädern. 
So starteten wir in Richtung böhmischen Grenze und überfuhren diese in Peterswald (Petrovice), steuerten das böhmisches Mittelgebirge an, immer den Milleschauer (Miesovka)  im Blick, hinweg über freie Landstraßen und genossen, die Berge, die Felder, den Wind.......
Kurz vor unserem Ziel legten wir eine Pause ein, um uns ein Stück des noch zu fertigenden Bauabschnittes der Autobahn nach Prag anzusehen.

Trotz der Pfingstfeiertage wurde hier gearbeitet.


Selbstverständlich warf ich auch einen Blick in die umliegenden Berge......
Unser Ziel sollte Theresienstadt (Teresín) werden, ein Ort mit sehr tragischer Geschichte. Hier findet man eine große Anlage die als KZ, Gestapogefängnis, Transitlager, Vernichtungslager und Ghetto genutzt wurde und heute als Mahn- und Gedenkstätte zu besichtigen ist. Die Größe des Areal's hatten wir allerdings völlig unterschätzt, so dass  in unserer vollen Montur und bei den Temperaturen eine Besichtigung schier unmöglich war. So schauten wir uns die Anlagen nur von außen an und beschlossen, ein anderes Mal die Gedenkstätte zu besichtigen. Aus Anstand und Respekt dem Ernst des Ortes gegenüber, hab ich hier gänzlich auf das fotografieren verzichtet.

Doch nun wieder auf das Motorrad und zurück in die Berge. Hier legten wir noch eine kleine Pause ein, leerten unsere Wasserflaschen und warfen nochmal einen Blick in die Landschaft. 


Nun fuhren wir nach Most, von dort aus mitten in das Erzgebirge, vorbei an der Talsperre Flaje (Údolní nádrz Fláje) hoch auf den Erzgebirgskamm. Hier kühlte es sich von zu warmen 21°C auf angenehme 16°C ab (ja es gibt Motorräder mit Temperaturanzeige) und wir genoßen einfach die Landschaft mit ihren Kurven. In Deutscheinsiedel passierten wir wieder die Grenze auf die deutsche Seite des Erzgebirges und es ging weiter eine wunderbare Motorradstrecke über Rechenberg, vorbei an der schon weithin sichtbaren Ruine Frauenstein nach Kreischa, wo wir den Tag nach reichlich 250km auf dem Tacho mit einem besonders schmackhaften Softeis ausklingen ließen.
Ja auch das ist für mich Seelenbalsam! 

Freitag, 15. Juni 2012

Hohe Tour (19.Mai 2012)

Soooooo heut nun sollte es soweit sein und sich ein Traum von mir erfüllen. Wollte ich doch gern die Hohe Tour als Gesamtstrecke erradeln. Einiges hatte ich schon in Erfahrung bringen können, mich ausgetauscht mit Freunden und Bekannten, die diese Strecke schon recht gut kannten und so wuchs der Wunsch auf diese Radrunde immer mehr. Einzelne Streckenabschnitte kannte ich schon recht gut, so machte ich vor ein paar Tagen nochmal mit einem Freund einen Streckenabgleich und bekam ein paar Wegpunkte auf mein GPS gezaubert. 
Da auf der Strecke eine nicht unerhebliche Zahl an km zu bewältigen war und es auch streckenweise durch leicht unwegsames Gelände gehen würde, entschieden wir uns für einen frühen Zug, der uns zum Startpunkt bringen sollte. Da ich aber ein unbegabter Zugfahrer bin, wählten wir den Startbahnhof in Heidenau. Stand doch da ein Fahrkartenautomat. Also die Räder in Heidenau vom Auto gesattelt und ab auf den Bahnsteig. Nun sollte das Abenteuer Fahrschein lösen beginnen. Aber irgendwas erschien uns "spanisch"....keine Menschenseele auf dem Bahnhof. Gut das erklärten wir mit der frühen Zeit, doch auch keine Anzeige......Hui was war denn da los..... und was soll ich sagen... "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil" ..... hatte ich doch einen Skizug ausgesucht, der nur bis Ende März fuhr.....Nun hatten wir alle Zeit der Welt uns mit dem Fahrscheinautomaten zu beschäftigen. So gelang es uns nach einigem Hin und Her Fahrscheine für Personen und Räder dem Ding zu entringen. Langsam füllte sich auch der Bahnsteig. Irgendwann nach sage und schreibe 1 1/2 Stunden rollte tatsächlich ein Zug ein und nun mussten nur noch alle Menschen und Räder da hinein passen......


Und los ging es...vorbei an meinem so geliebten Schloss Weesentein....


.....immer weiter hinauf das Müglitztal bis zum Endhaltepunkt Altenberg. Hier hatte sich der Zug vom  im Elbtal liegenden Heidenau mit einer Höhe von 121 m ü NN auf eine Höhe von etwa 750 m im Osterzgebirge  geschraubt. 



So nun aber los auf die Räder. Von Altenberg aus ging es erstmal nach Zinnwald kreuz  und quer durch die im Winter oft wunderschön verschneiten Wälder des heimischen Ostergebirges. In Zinnwald steuerten wir vorbei an der Wetterwarte. Sie liegt auf dem Kamm des Gebirges in einer Höhe von 877 m ü. NN. Seit 1971 ist sie in Betrieb und die tiefst gemessene Temperatur betrug -25,4°C und die höhste Schneedecke 1,63 m . Bei günstiger Wetterlage kann man von hier aus sogar bis ins ca 140km entfernte Riesengebirge schauen. Unmittelbar an der Wetterwarte radelten wir über die Landesgrenze nach Böhmen.  Sehr erwähneswert finde ich die Geschichte Zinnwalds, ein deutsch-böhmischer Grenzort. Eine Geschichte die auf einige Jahrhunderte zurücksehen kann und auf einen Ort, der ursprünglich aus 4 Gemeinden bestand. Heute findet man auf deutscher Seite noch Zinnwald-Georgenfeld, was 1953 zu einer Gemeinde zusammen geführt wurde. Auf der böhmischen Seite das heutige Zinnberg (Cinovec), ein aus einst zwei Gemeinden bestehender als Bergstadt bezeichneter blühender Wachstum, erscheinen nur noch klein und unscheinbar. In den Nachkriegswirren wurde Vorderzinnwald von der tschechischen Regierung fast gänzlich eingeebnet und in Hinterzinnwald kann man heut noch ein Minimum finden. Doch kann man hier auch mittlerweile Zeichen der Moderne entdecken und wer mich kennt, weiß wie sehr ich Brücken mag. Was lag da näher, als über solch eine zu radeln und einen kurzen Stopp einzulegen. 


Weiter ging der Weg über Feld, Wald und Flour und wir wurden immer mit traumhaften Ausblicken belohnt.



Da wir immer weiter südöstlich fuhren, kamen wir nach geraumer Zeit am Fuße des Mückenberges (Komari hurka), mit seinen 807m einem der höchsten Berge des Osterzgebirges an. Hier kreuzen sich die Strassen von Obergraupen (Horni Krupka) und Voitsdorf (Fojtovice). An dieser Stelle findet man eine kleine Kapelle, die St. Wolfgangskapelle. Sie wurde Mitte des 14. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut und dem Schutzheilgen der Bergleute , dem heiligen Wolfgang geweiht. Im dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört und Ende des 17. Jahrhunderts im barocken Stil wieder errichtet. 


Nun ging es einen kurzen Stich rauf auf den Mückenberg mit seinem Mückentürmchen. 
Erschlossen wurde der Berg durch den Zinnbergau, welcher hier erstmalig 1416 erwähnt wurde. Das im Volksmund genannte Mückentürmchen, der damalige Anläutturm, mit dem die Bergleute mittels eines Glockenschlages zu ihrer Schicht gerufen wurden, ist heut ein beliebtes Ausflugslokal. Heut befindet sich der Berg in einer Landschaft von stillgelegten alten Stollen und Pingen.  
Der Sage nach, soll ein dreister Kuhdieb von einem Mütterchen auf seiner Flucht auf den Berg verflucht worden sein. Er solle von Mücken zerstochen werden, bevor er den Gipfel des Berges erreiche. Und tatsächlich soll er noch vor dem Gipfel von einem Mückenschwarm zum erliegen gebracht worden sein.......so nun der Mückenberg.
Wie auch immer, man hat von hier aus einen phantastischen Ausblick ins böhmische Becken. 


Oben angekommen, einen Moment die Aussicht genossen, ging es auf der anderen Seite der Berges auch schon wieder hinab. Auch hier tat sich vor uns eine wunderschöne Landschaft auf. 



Von hier aus ging es gemischt auf Feldwegen und ein Stück der Strasse entlang nach Adolfsgrün (Adolfov) . 1833 wurde diese kleine Ortschaft gegründet. Ihr Namensgeber ist  der Graf Adolf von Ledebur. Ihm gehörte der umliegende Wald. Um 1900 hatte der Ort 9 Häuser und enwickelte sich zum Wintersportgebiet, da er bald über eine Sprungschanze verfügte und der Zechberg lockte viele Skifahrer an. Heute werden die Häuser des Ortes meist nur noch an Wochenenden genutzt. So schaute ein fröhlicher kleiner Bub, wer da wohl in den Wald abbog und grüßte mit einem freundlichen "Dobry den". Wir grüßten zurück und bogen in den Wald in Richtung Tisa, das Teilstück des Weges, was sich mir als fast völlig neu erschloss. Im Wald boten sich immer wieder wunderbare Ausblicke. 


Nachdem wir etwa 2/3 dieses Streckenabschnittes hinter uns hatten, lud ein kleiner See und eine saftig grüne Wiese eigentlich zum Verweilen ein. Aber da wir ja nun mit erheblicher Verspätung gestartet waren, hieß es tapfer auf dem Rad zu bleiben......


....auch das wurde kurz darauf mit einem wunderbaren Ausblick belohnt......


Hier verließen wir  das Osterzgebirge und radelten in die Böhmische Schweiz und ein kleines Örtchen namens Tissa (Tisa) war nicht mehr weit. 


Bekannt ist der 548 m hoch liegende Ort durch seine Felsen die Tyssaer Wände (Tiske Steny). Diese sind mit den bis zu 30 m hohen Felsen ein Anziehungspunkt für viele Wanderer und Kletterer. Der Ort an sich, kann eine lange Geschichte vorweisen, bis in das 12. Jahrhundert. Begonnen hatte alles mit der Errichtung der Burg Schenau. Mitte des 16. Jahrunderts findet man erste schriftliche Erwähnungen von Tyssa. Kurz darauf trifft man hier auf die Spuren der von Bünaus, die ja in meinem heimatlichen Weesenstein auch eine große Rollen spielten. Im dreißigjährigen Krieg druchlebte Tyssa schreckliches, später wurde es von den Schweden gebranntschatzt. Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier Knopffabriken an. Heut lebt der Ort hauptsächlich von seinen Gästen. 



Die Wände ließen wir links liegen und entschieden uns auf Grund der eingebüßten Zeit am Morgen für ein Stück Strasse. So ging es vorbei an der Touristenbauden immer aufwärts. Wusste ich auch hier um die Steigung und die Wärme des Tages forderte auch ihren Tribut. Aber es war alles recht undramatisch. Der Anstieg fuhr sich gut und einmal auf der Höhe angekommen, mussten wir nur noch bis Schneeberg (Sneznik) rollen. Einem Dorf am Fuße des Hohen Schneeberges. Hier  stärkten wir uns mit einer Kofola und verschafften uns einen Überblick auf der Karte über die bereits erradelte und noch zu erradelnde Strecke. Der Hohe Schneeberg (Decinsky Sneznik), der höchste Berg des Elbsandsteingebirges (722m) , ein sehr markanter Tafelberg, den man aus sehr vielen Richtungen sieht und der immer wieder als Orientierungspunkt dient, war nicht erst einmal Ziel einiger Radtouren. Er ist für mich eines der schönsten Ausflugsziele der Heimat, da man von seinem großen Plateau weithin Aussichten in alle Richtungen hat, vom Osterzgebirge über die Sächsich-Böhmische Schweiz bis hin in die Lausitz, den Jeschkenkamm, das Böhmische Mittelgebirge usw. Auch immer wieder sehr schön finde ich persönlich die nach dem Namen benannte Dresden-Aussicht. Ja wer den Berg kennt, weiß nun welchen Weg wir auf uns genommen haben, um selbige zu genießen. Bisher stand der Schneeberg nicht nur wegen seiner Schönheit auf unserer Zielliste, sondern auch bissl als sportlicher Höhepunkt. So war es für mich eine völlig neue Erfahrung, diesen nach der bereits zurückgelegten Strecke "einfach mal so" zu erobern. Hier muss ich gestehen, meine Idee, mein Bergrad, den Berg, die Sonne und weiß nicht, was noch alles verflucht zu haben........Doch es war es wieder wert, auch wenn die Sicht nur diesig war. 


Nachdem wir oben angekommen waren, freuten wir uns über  die Aussicht und stellten fest, dass wir auf der anderen Seite wieder runter wollten. Bergab ging es hier z.T. so arg über Stock und Stein, dass wir das Rad streckenweise trugen. Hm, ich weiß, hier gibt es einen genialen Stein, der als optimale Radschanze gilt, aber nee nee, ich nicht. Es gibt Radler, die dies Stück, als das Beste der gesamten Tour sehen......nein, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Als der Weg wieder geländegängig wurde, stieg auch ich wieder auf das Rad und tastete mich vorsichtig voran. Auch diesen Streckenabschnitt gut gemeistert zu haben, freut ich mich, nun ein Stück völlig entspannt der Strasse lang nach zu radeln. So waren wir schnell in Maxdorf (Maxicky). Hier bogen wir nach links ab, um auf dem gelben Wanderweg Niedergrund ( Dolni Zleb) zu erreichen. Weit war es ja nun nicht mehr, aber es war eine Strecke, die es nochmal in sich haben sollte. Ehe wir im Ort an der Elbe ankamen, ging es den letzten halben Kilometer mehr als steil bergab. So hatte ich allein durch das Gefälle schon das Gefühl, über den Lenker zu fallen. Doch das war es nicht nur. Der Weg war wildromatisch, aber gepflastert mit Felssteinen, unterspült, ausgesetzt und rutschig bemoost......Nein auch dieses kleine Teilstück war mir zu heftig. So schob ich mein Rad bergab und dies war auch keine Zuckerschlecken. In Niedergrund angekommen, entspannte sich die Lage recht schnell und wir kamen gut an der Elbe an, mit dem lachenden Ausspruch "Puuuuhhhh geschafft zum Glück nur noch 45 km gen Heimat." Gesagt getan und so rollten wir locker luftig und frei die restlichen Kilometer entlang des Elberadweges inmitten der schönen Sächsischen Schweiz nach Heidenau, wo das Auto auf uns wartete, um uns in mein Bergdorf zu kutschieren. 



Nach 103 km auf dem Rad sollte nun ein Traum sich erfüllt haben. Ja und es war traumhaft schön und es hat sich mehr als gelohnt! Es war eine Strecke bei der wir mehrere Landschaften streiften, eine Strecke auf Grund des Geländes größtenteils meine volle Konzentration erforderte, eine Strecke die landschaftlich ein Traum ist, eine Strecke der meine Radhandschuhe nicht Stand gehalten haben und in die ewigen Radgründe eingingen  und eine Strecke, die ich nicht zum letzten Mal gefahren bin. Ach und eines noch..... dafür dass es eigentlich ja nur bergab gehen sollte, sind wir schon recht oft nach oben geradelt .........

Mittwoch, 13. Juni 2012

Hintere Sächsische Schweiz - mit dem Rad (18.Mai 2012)

In Vorbereitung auf die morgige größere Radtour wollte ich den heutigen Tag nicht ungenutzt lassen und mich schon immer ein wenig "warm radeln". Was eingnet sich dazu besser als ein sonniger Tag in der hinteren Sächsischen Schweiz, wo es fix in Böhmische geht. 
Früh beizeiten ging es Richtung Kirnitzschtal, das Auto wurde oberhalb des Pohlshorns auf einem Wanderparkplatz abgestellt und von den Rädern befreit. Es war so noch so früh am Morgen, dass selbst ich mir dachte "Hui ist das noch frisch". So ertüchtigte ich mich fix mit ein paar Spring- Hüpf- und Dehnübungen, wusste ich doch, dass die ersten Kilometer sicher nicht zur Erwärmung beitragen würden. Ich überprüfte   nochmal fix mein Rad und optimierte diverse kleine Einstellungen (schließlich musste mein Bergrad ja ne ganze Weile ohne mich auskommen) und los ging es. 
Nach einer kurzen Strassenabfahrt bogen wir in Höhe Thorwalder Wände in das immer wieder schöne Kirnitzschtal ab. Begleitet nur von dem fröhlichen Plätschern des Flüßchens, lustigem Vogelgezwitscher radelten  wir vorbei an der Niederen Schleuse.
Die Kirnitzsch war einst eines der wichtigsten Trifftholzstrecken. Der Standort der Niederen Schleuse war recht optimal und so konnte mit der 32 m breiten Staumauer Wasser auf eine Strecke von 750 m angestaut werden. Die Schleuse ist saniert und wieder funktionsfähig, dient heut aber nur noch dem Hochwasserschutz. Das Schleusenhäuschen wurde damals lediglich zur Aufbewahrung der Floßhaken  genutzt.


Immer weiter ging es entlang der Kirnitzsch. Als nächstes erreichten wir den deutsch-böhminschen Grenzübergang Hinterdittersbach (Zadni Jetrichovice). Hier führt eine kleine Brücke, die man bereits in Karten von 1592 findet, über die Kirnitzsch entlang der mittelalterlichen Bömischen Strasse und man ist in Böhmen. 


Neben der Brücke ist heut hier noch ein Rastplatz, sowie die Information über die Ansiedlung zu finden und wer genauer hinschaut, kann noch ein paar Überreste in Form von Treppen und Mauerresten entdecken. Hinterdittersbach (Zadni Jetrichovice) war bis etwa 1945 eine kleine Ansiedlung und ein tourischtischer Knotenpunkt, da hier einige Wege der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zusammen liefen. 1732 soll bereits das Hegerhaus erbaut worden sein. So erweiterte sich die Ansiedlung, dass 1900 7 Häuser hier gestanden haben, u.a. ein Wirts- und ein Forsthaus. Auch eine Auskunftsstelle des Gebirgsvereines war im Gasthaus zu finden, diese wechselte später dann in ein weiteres Gasthaus "Zum Hirsch".


Nun aber flux weiter immer im Wald entlang gut ausgebauter bequemer Radwege, aber wusste ich doch um unser nächtstes Ziel, bzw. den zu erwartenden Anstieg. Unser nächster Zielpunkt waren die Balzhütten (Na Tokani). Der Name ist fast selbsterklärend. Die Balzhütten dienten  einst als Unterkünfte für die Jäger des Grafen Kinsky. Vorwiegend wurden hier Waldvögel und balzende Auerhähne gejagt. Heute findet man hier eine Herberge mit Gastwirtschaft.  Nachdem wir nun geradelt und geradelt sind und schwupp die  wupp den Berg erradelt hatten, ging es sofort wieder hinab, eine lange und recht flotte Abfahrt bis hin zu einem kleinen  Informationszentrum des Böhmischen Nationalparks, auch ein ehemaliges Hegerhaus. Es lohnt sich, in die dortigen Ausstellung einen Blick zu werfen. 


Hatte ich doch kürzlich erst eines der Raubschlösser der Umgebung besucht. So stand heut ein weiteres auf meinem Wunschzettel, in der Nähe von Kreibitz (Chribska) die Felsenburg Karlstejn auch Wüstes Schloss (Chribska Hradek) genannt. Nachdem wir auf halber Höhe die Räder abgestellt hatten erreichten wir über einen schmalen Pfad den Burgfelsen auf dem man die Reste der Felsenburg noch gut erkennen kann. Auf dem ausgehauenen wahrscheinlichem Kellerraum wird ein hölzernes Hauptgebäude vermutet. Geschichtlich ist kaum etwas bekannt, man denkt, dass es sich um eine ehemalige Wachburg handelt, die im 14. Jahrhundert bereits verlassen wurde. Auch hier stößt man wieder auf den Namen der Berken von Duba. 


Nach einer recht gewagten Abfahrt aus halber Höhe ging es ganz mühelos weiter in ein sehr beschauliches kleines böhmisches Dörfchen, wo es eine schnelle Kofola gab. Kofola, eine koffeinhaltige Limonade, deren Ursprung auf ein Pharmaunternehmen und das Jahr 1960 zurück zu führen ist, ist   große Konkurrenz zu Coca Cola oder Pepsi und mit seinem ganz eigenen Geschmack immer eine willkommene Stärkung. 


Und dann ging es weiter, allerdings nicht sehr weit, denn als wir ein Stück bergan die Räder hatten rollen lassen, drehte ich mich einfach mal um.......


Jetzt wurde aber mal wirklich in die Pedalen getreten. Weiter entlang schöner Wald- und Wiesenwege, vorbei an einsam gelegenen Hütten, durch kleine Ansiedlungen.....

 

Immer weiter des Weges ging es unmittelbar am Wolfsberg (Vlici hora) vorbei. Kannten wir diesen doch aus früheren Radrunden. Der Wolfsberg ein 581m hoher markanter Kegelberg der Böhmischen Schweiz. Auch ging es wieder durch die Ortschaften Zeidler (Brtniky) und Hemmehübel (Kopec) über die ich erst kürzlich berichtete. Von Hemmehübel ging es ganz entspannt auf schönen Waldwegen in Richtung Hinterhermsdorf, um dort den letzten Anstieg des Tages zu nehmen. Von dort aus ging es recht flott die Abfahrt zum Parkplatz und wir hatten eine Strecke von reichlich 40 km und einigen gut überwundenen Höhenmetern in den Waden und waren der Meinung, dass die morgige Tour kommen kann........