Sonntag, 30. Juni 2013

Höhen, Hänge, Täler des Müglitztales (28. Juni 2013)

Wandern wollten wir heut in jedem Fall gehen und optimales Wetter war auch....der Himmel  bedeckt und angenehme 13°C. Doch aber wohin. Wie viele Frauen sicher oft vor einem prall gefüllten Kleiderschrank stehen und nichts zum anziehen haben, so ging es mir heut mit der Auswahl einer Wanderunde. Zwei Gebirge sind zum Greifen nah und ich weiß nicht wohin. Doch plötzlich.... so ca eine knappe halbe Stunde bevor es los gehen sollte, schoss mir eine tolle Idee in den Sinn. Also starteten wir direkt von der Haustür aus und wählten den Romatischen Wanderweg nach Weesenstein, eine kleine grüne Hölle. 



Diese mündet in ein schönes Waldstück, durch das sonst recht kleines Rinnsal fließt. Dieses hatte sich allerdings durch die ausgiebigen Regenfälle der letzten Zeit zu einem kleinen Strom entwickelt. 


Und wieder muss ich hier an dieser Stelle ein Bild von meinem geliebten Schloss Weesenstein einstellen, wie es in seiner Schönheit stolz auf dem Felsen thront. Dem Schloss voller Geschichte und Geschichten, denen ich bereits als Kind gern lauschte. Begebenheiten von denen mir meine Großmutter immer wieder erzählen musste....eine ist mir besonders haften geblieben....die als Prinz Johann Georg in der Küche meiner Urgroßmutter mit dem großen Kochlöffel von der Suppe kostete und meine Großmutter als Kind nur staunend daneben stehen konnte.....


Nichts desto trotz hielten wir uns heut hier nicht lange auf, wollten wir doch wandern gehen. Also liefen wir durch den 2002 vom Hochwasser arg gebeutelten wieder wunderschön hergerichteten Ort, um auf der gegenüber liegenden Seite den Hang des Müglitztales wieder  empor zu steigen. 


Dem Waldweg folgend, blieb uns von einem sonst wunderbaren Aussichtspunkt der Blick auf Schloss und Ort ob des Laubes der Bäume verwehrt. Auf der Höhe angekommen wich der Wald einem bequemen Feldweg. Doch plötzlich trauten wir kaum unseren Augen. Ein Kirschbaum über und über mit Kirschen voll......wir schauen uns nur an und wissen welchen Weg wir nehmen......doch was war das...... noch einer und noch einer....knackig rote Krischen, fast schwarze Kirschen, Glaskirschen.....bloß gut wir hatten heut viel Zeit.....


Irgendwann hatte wir das Gefühl zu platzen und somit stiefelten wir weiter und am Ortseingang Falkenhain bogen wir nach links auf den Feldweg dem Hakenberg entgegen. Der Hakenberg ist ein Quarzitberg und 271m ü. dem Meeresspiegel.


Weiter führte uns der Weg entlang von Feld- und Wiesenwegen, vorüber an Kuhherden, was das Bild einer ländlichen Idylle verstärkte. Ebenso gab es plötzlich endende Wege. So schlugen wir uns streckenweise durch brusthohe Brennnesseln, stießen erneut auf Wege, die aber durch die extremen Regenfälle der letzten Zeit entsprechend schlammig und unpassierbar waren. So kämpften wir uns durch Unterholz, Dornengestrüpp, Kuhweiden .....


....bis wir schließlich wieder in der Zivilisation - sprich Landstrasse - Nähe Crotta raus kamen. Hier lohnte sich auch ein Blick zurück. Auch wenn die Sicht verwaschen war, konnten wir bis in die Sächsische Schweiz schauen. 



Hier folgten wir ein kleines Stück der recht wenig befahrenen schmalen Landstrasse bis zu unserem nächsten Ziel Schmorsdorf. Schmorsdorf ist ein kleines Dörfchen mit nichtmal 50 Einwohnern auf den Höhen der Müglitztalhänge. So unscheinbar wie es klingen mag, findet man hier so einige Besonderheiten/besuchenswerte Orte, die Schmorsdorfer Linde und das Lindenmuseum Clara Schumann. 
Die Linde steht einzeln und frei im Dorfkern und ihr Alter ist unbekannt. Erstmals findet sie im Jahre 1630 während des 30 jährigen Krieges schriftliche Erwähnung. Derzeit ist die Linde ca 24 m hoch. Vor einem Sturm im Jahre 1884 wo ein Teil der Krone brach, maß sie eine Höhe von 44m. Den Umfang des Wurzelstocks mit seinen 15,5m finde ich auch noch sehr beachtlich. Innen ist der Baum hohl und man findet ein ganz bequemes Tor in das Innere des Baumes. Auch kann man im Schatten der Linde auf einer Bank Erholung finden.




Das Lindenmuseum Clara Schumann findet man unmittelbar neben der Linde. Es ist das kleinste Museum Sachsens und vermutlich sogar Deutschlands. Es befindet sich im ca 1888 erbautem ehemaligen Spritzenhaus und wurde 2006 als Museum eröffnet und berichtet viel über die Geschichte der Linde. Clara Schumann (1819-1896), die Pianistin, Ehefrau Robert Schumanns, war oft zu Gast im Maxener Schloss bei der Familie Serre -große Kunstliebhaber - und sie sei wohl das ein oder andere Mal zu der Linde gewandert. Erwähnt sei noch, dass Clara Schumann lange Zeit 100 DM - Scheine und Briefmarken zierte. 


Weiter folgten dem Wegweiser nach Maxen entlang eines schönen, leicht abfallenden Feldweges mit wunderbaren Ausblicken. Wir kreuzten die Winterleite, eine kleine aus dem Tal nach Maxen führende Strasse, mir ihrem Kalkofen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrundert....



...um den Weg auf einem ausgeschilderten Wanderweg fortzusetzen. Doch was war das......erneut standen wir vor Weidezäunen. Ok, die hatten wir heut schon mehrmals überstiegen, warum auch diesmal nicht. So stiefelten wie die Weide entlang. Plötzlich wurde die Wiese ein einziges Schlammbad und das Wasser floß den Hang hinab. So suchten wir nach einem alternativen Weg und schauten plötzlich einigen ebenso verdutzt schauenden Kühen in die Augen. Ok.....nicht bewegen und dabei vorsichtig rückwärts laufen, denn auch diese Herde schien von ihrem Bullen bewacht zu werden. Außer Sichtweite wählten wir ohne drüber nachzudenken, den Fluchtweg durch knöchelhohen Schlamm. Erleichtert erreichten wir das Dorf und mussten erst einmal über die Situation lachen. 
Maxen befindet ebenfalls auf den Hochflächen des Müglitztales und kann eine Beachtliches aufweisen. Den bunten Maxener Marmor, welchen der Kurfürst verwendete, die Schlacht am Finkenfang im siebenjährigen Krieg, die Herrschaft der kunstbegeisterten Familie Serre, Clara und Robert Schumann, die hier als Gäste oft weilten, um nur einiges zu erwähnen. Heut ist Maxen ein beschauliches Dörfchen in dem die Kunst ein gutes zu Hause gefunden hat. Man kann wunderbare Bilder bestaunen, selbst in diversen Einrichtungen sich ausprobieren, in der überregional bekannten Naturbühne Schauspiel und Gesang genießen. 
Doch unser Weg führte uns an der Kirche vorbei zu einer kleinen Anliegerstrasse um in das Müglitztal abzusteigen. 


Im Müglitztal in Mühlbach angekommen, querten wir die Müglitz und warfen einen Blick gen Himmel.....


Doch wirklich beirren ließen wir uns nicht und stiegen auf der anderen Seite den Berg wieder hinauf. Wir erreichten gerade die Waldesgrenze, als der Himmel doch ein paar Regentropfen gen Erde schickte. Und so nahmen wir uns Zeit erklommen erneut den ein oder andern Höhenmeter. Als sich der Wald lichtet war der Himmel dunkel bedeckt, aber wir kamen trockenen Hauptes weiter über wunderbar gesunde Wiesen ehe wir erneut auf einen bequemen Wanderweg stießen. 


Dieser führte uns über Höhen vorbei an Feldern voller Kornblumen.....


Und wie soll es anders sein.....erneut zu Kühen......diesmal aber zum Glück in sicherer Entfernung hinter einem Weidezaun.......


In Großröhrsdorf angekommen, nahmen wir nun gezielt den Heimweg über Biensdorf, vorbei am Grauberg, dem Kalkschneller und dem Kanitzberg in das heimatliche Dorf. Der Weg war gesäumt von Feldern und wunderschönen Ausblicken. 


Daheim wieder angekommen, zeigte das Thermometer nun 20°C und wir hatten eine wunderschöne Wanderung von ca 17km hinter uns. Wir stellten für uns fest, ganz so abenteuerlich hätte es nicht sein müssen, wenn auf den ausgewiesenen Wanderwegen entlang der Weidezäune einen schmalen Pfad für Wanderer erhalten bliebe. Denn für den nichtortskundigen Wanderer erschwert dies die Orientierung. 
Doch ungeachtet dessen, würde ich diese Wanderung auch weiter empfehlen.